Mein Dasein stört
und mein Wort nervt.
Das Erhaschen hingeworfener Krumen
macht mich klein,
hoffnungsvoller Optimismus
– lächerlich.
Spiegelbilder erblicken mich
häßlich durch deine Augen.

Soviel Verlust und Trauer
in so wenigen Jahren.
Und jetzt wir.

Januar 2017

© Anett Münch

Bilder tauchen vor mir auf –
immer sind es die selben.
Du schaust mich durch deine Brille an
und trägst deinen Pulli –
den gelben.

Die Hände sind voller Erde
aus deinem Garten Eden,
und leise murmelnd hör‘ ich dich
mit deinen Blumen reden.

Januar 2017

© Anett Münch

Sonnendurchfluteter Großmuttergarten,
moosbewachsene Ziegelsteinwege,
rauschende Lindenblätter,
schattenspendender Kirschbaum,
bienensummender Brombeerheckenduft,
emaillescheppernde Küchengeräusche,
Wasserpumpengeplätscher,
vogelzwitscherndes, träges Sommerparadies
meiner Prinzessinnenkindheit.

Januar 2017

© Anett Münch

Seit ihr gegangen seid und ich aller Pflichten enthoben,
fühle ich mich so seltsam entwurzelt und schwer.
So schwer, als hätte ich euch nicht verloren,
sondern würde euch auf meinen Schultern tragen.
Eurer Gegenwart beraubt seid ihr mir allgegenwärtig.

November 2016

© Anett Münch

Das Blatt

Es ist kein Vogel,
es ist nur ein Blatt
und obwohl es keine Flügel hat,
fliegt es durch die Lüfte.
Und trotz dass ihm die Stimme fehlt,
es im Sturme Geschichten erzählt.

Es ist keine Maus,
es ist nur ein Blatt
und obwohl es keine Füße hat,
huscht es über Wiesen und Felder.
Und ohne Ohren tanzt es, gleich einem Kinde,
zur Musik im Winde.

Es ist kein Chamäleon,
es ist nur ein Blatt
und obwohl es keine Feinde hat,
es jährlich die Farben wechselt.
Und ohne Bewusstsein weiß es Bescheid,
wann ist gekommen die Winterzeit.

Ohne Datum

© Anett Münch

Abschied auf Raten

Er läßt sich Zeit mit dir, der Tod
und nimmt dir stündlich Stück für Stück.
Übt sich im langsamen Verderben
und versperrt den Weg zurück.

Er stiehlt das Können und das Wollen,
hat schon dein Wesen und dein Sein,
er läßt dich sehnend ihn erhoffen,
durch seine endlos, lange Pein.

Es spiegelt sich in deinem Blick,
wie seine Klauen nach dir greifen-
Lass los und folg ihm ohne Angst,
unsere Tränen werden dich begleiten.

11. Februar 2013

© Anett Münch